Rasur in der Türkei

Rasur Türkei

Ein Haarschnitt in Ankara


Es hat etwas ziemlich Beängstigendes, wenn sich ein Mann mit einer Klinge auf Sie stürzt. Selbst wenn Sie sich bereitwillig auf seinen Stuhl gesetzt haben und er Ihnen nichts Böses will, ist es eine beunruhigende Erfahrung.

Der Mann heißt Adam und ist einer von Hunderten von Barbieren in Ankara. Er ist jung, gut aussehend und freundlich, er lächelt und versucht, dass ich mich wohl fühle.

Das ist mehr als nur ein einfacher Haarschnitt und eine Rasur. In der Türkei ist dies ein kulturelles Abenteuer.

Adam war mir vom Besitzer meines Hotels empfohlen worden. Als ich im Geschäft ankomme, ist es abgeschlossen, aber der Vater von Adam sitzt draußen auf einem Hocker und raucht eine Zigarette.

Er gestikuliert, dass er nur kurz telefonieren werde und ich warten solle. Adam kommt einige Minuten später an.

Ich setze mich hin und erkläre mit einer Mischung aus gebrochenem Englisch und gebrochener Gebärdensprache, dass ich mir die Haare schneiden und das Gesicht rasieren lassen möchte. Das scheint mir einfach genug zu sein.

Der Haarschnitt dauert nicht lange – nur ein einfaches Herumschwirren und die Dinge sind für mich ordentlich genug. Es ist die Rasur, die viel länger dauert.

Nun muss ich zugeben, dass ich heutzutage dazu tendiere, mehr Haare auf der unteren als auf der oberen Hälfte meines Kopfes zu haben. (Lasst uns einfach die Genetik beschuldigen und weitermachen. Ein gepflegter Bart soll ja auch sexy sein!)

Aber das ist nicht der Grund dafür, dass die Rasur so viel Zeit in Anspruch nimmt. Es handelt sich um ein kompliziertes Ritual, das richtig ausgeführt werden muss.

Die türkische Rasur

Adam dreht den Kessel auf der Bank vor uns auf. Es ist ein alter grüner Plastikkessel, der aussieht wie aus einem Design-Magazin der 1970er Jahre. Es dauert lange, bis er kocht.

Wenn das Wasser heiß ist, gießt der Barbier etwas davon in eine kleine Metallschüssel. Mit einem Rasierpinsel benutzt er das Wasser und etwas Creme, um einen Schaum auf meinem Gesicht zu bilden.

Rund und rund geht er mit dem Pinsel und zeichnet Dutzende kleiner Kreise auf meine Haut, während sich der Schaum verdickt und ausbreitet. Es dauert etwa zwei Minuten, bis er zufrieden ist.

Dann kommt die Klinge heraus. Adam zieht sie über einen kleinen Teil meiner Wange, schneidet das Haar ab und nimmt die leicht verhärtete Creme auf.

Er wischt die Kombination direkt auf seine andere Hand und geht zurück, um weiter zu schneiden.

Er arbeitet sich geschickt über mein Gesicht und manövriert meinen Kopf je nach Bedarf in die richtige Position.

An einer Stelle, als er die feinen Haare um meine Lippen herum erreichen will, steckt Adam seinen Finger in meinen Mund, um den richtigen Winkel zu erhalten. Ich diskutiere nicht.

Die Sache ist die, dass man nicht mit ihm streiten kann. Nicht nur, dass ich kein Türkisch spreche, er hat nicht nur eine Klinge in der Hand, sondern dies ist sein Gebiet und er weiß, was er tut.

Irgendeinen Teil davon in Frage zu stellen, wäre einfach nur unhöflich.

Deshalb stelle ich Adam nicht in Frage, wenn er eine nach Erdbeeren duftende Creme bekommt und sie mir für ein paar Minuten ins Gesicht massiert.

Ich streite mich nicht mit ihm, wenn er meinen Kopf in eine Schüssel drückt und mich mit Wasser übergießt, wobei er mich umgreift und mir Wasser in die Augen spritzt.

Ich streite mich nicht einmal, wenn er wieder Wasser im Kessel kocht, einen Lappen hineintaucht und dann mein Gesicht damit bedeckt. Die plötzliche Hitze ist ein Schock, und ich habe zunächst Angst, dass ich nicht mehr atmen kann, bis ich merke, dass er unter meinen Nasenlöchern Platz gelassen hat.

Ich bin mir nicht sicher, ob er den Alarm in meinen Augen sieht, denn Adam lacht leise. Ich denke, vielleicht kann er es.

Die Tradition des Barbiers

Dies ist der zweite Haarschnitt und die zweite Rasur, die ich seit meiner Ankunft in der Türkei erhalten habe. Während des ersten – damals von einem Jungen, der nicht älter als 18 Jahre alt gewesen sein konnte – schnitt er mir die Augenbrauen, riss mir die Nasenhaare aus und brannte mir mit einem flammenden Stock die hellen Haare auf den Ohren weg.

Diesmal sind die Dinge nicht ganz so gefährlich (in dem Sinne, dass es keine offenen Flammen gibt), aber es gibt die gleiche Aufmerksamkeit für Details. Jede einzelne Stelle in meinem Gesicht wurde gepflegt, und es fühlt sich so glatt an, dass es fast klebrig ist.

Es gab einige Momente, die mich etwas nervös gemacht haben, und mein Hemd hat sicherlich etwas mehr Schweiß auf sich, als wenn ich hineingegangen bin. Für mich war das nicht entspannend und definitiv nicht die gewohnt Rasur mit meinem Braun Rasierer. Für die Türken ist das aber normal.

Als ich aufstehe und dabei bin den Laden zu verlassen, springt ein kleiner Junge auf meinen Stuhl, um an die Reihe zu kommen.

Ich hatte ihn vorher nicht bemerkt, aber er hatte mich offensichtlich beobachtet, weil er frech lächelt, als ob er wüsste, wie fremd mir die Tortur gewesen war.

Er ist freundlich, aber ich habe das Gefühl, dass er die ganze Zeit über mich gelacht hat.

Ankara – Sonntagspicknick

Eine der Lieblingsfreizeitbeschäftigungen in der Türkei ist das Picknicken. Schon seit jeher ist es Sitte und Brauch die Stühle vor das Haus zu stellen und den Kaffee draussen zu trinken.

In den Grossstädten erfordert es einiges an logistischer Organisation, dass die ganze Familie draussen im Grünen picknicken kann. Erst muss die gesamte Grossfamilie ins Auto verfrachtet werden, dann gilt es einen Platz zu finden, der mit dem Auto gut erreichbar ist. Die prall gefüllten Kühlboxen wollen schliesslich nicht allzu weit geschleppt werden.

Ein reichhaltiges Picknick im Grünen

Da sich Picknicken grosser Popularität erfreut, sind die guten Plätze, insbesondere im Sommer sehr gefragt. Umso glücklicher, wer einen geeigneten Platz findet. Die Teppiche werden ausgerollt, der Grill angezündet und die Frauen entlocken den Kühlboxen, die am Tage zuvor, liebevoll zubereiteten Köstlichkeiten. Je reichhaltiger gedeckt der Boden, je grösser die Teilnehmerzahl am Festmahl, desto besser!

Allen, die Einblicke in ein Stück gelebte Alltagskultur in der Türkei nehmen möchten, sei an einem Sonntagnachmittag ein Besuch an den nachfolgenden Plätzen empfohlen. Die fröhliche, unbeschwerte Stimmung, gepaart mit Grilldüften von jedem Eckist unvergesslich. Gut möglich, dass man irgendwo eingeladen wird, sich dazu zu setzen – denn die Freizeit wird in der Türkei vorzugsweise mit einer grossen Gruppe Freunde oder Familie verbracht.

 Beliebte Picknick-Plätze um Ankara sind:

  • Emirgan Korusu (Emirgan Wäldchen)

Dieser Park ausserhalb Ankaras ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Es gibt drei bunte Pavillons, ebenso stehen Tische, Wasser (kein Trinkwasser) und Toiletten zur Verfügung. Gegen eine Gebühr ist es möglich, mit dem Auto in den Park hinein zu fahren. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch, im April, wenn die Tulpen in allen Farben blühen und die Umgebung verzaubern.

  • Karagöl (Schwarz-See)

Rund 74km vom Stadtzentrum von Ankara liegt der Schwarz-See. In der Berglandschaft gibt es zahlreiche Quellen und einen kleinen Kratersee. Es gibt Spazierwege und malerische Picknick-Plätze, auch Campieren ist möglich. Quellwasser, Toiletten, Tische und Bänke stehen zur Verfügung. Zudem ist es eine Möglichkeit, sich das Mittagessen, selber zu besorgen: im See darf nach  Forellen geangelt werden. Eine Eintrittsgebühr wird verlangt.

  • Stausee Cubuk I. Baraji

Rund 10 Kilometer nördlich des Zentrums, auf dem Weg Richtung Flughafen, gibt es bewaldete Hänge mit geeigneten Stellen für ein Picknick. In der Parkanlage unterhalb des Staudammes, gibt es verschiedene Restaurants, für einen Stopp.

  • Beynam Ormani (Beynam Wald)

Der Beynam Atatürk Wald befindet sich 45km ausserhalb von Ankara. Der Ort lässt sich am besten mit dem eigenen Auto erreichen. Auf der Ankara – Konya Hauptstrasse, muss die Ausfahrt Bala genommen werden. In der baumlosen Steppe, liegen die Überreste eines ehemals grossen Waldgebietes. Ausgedehnte Wanderwege führen in die Ausläufer des Elma Dagi – dem 1862m hohen Hausberg Ankaras, wo im Winter gar Ski gelaufen werden kann. Im Wald gibt es sowohl Tisch-/Bankkombinationen, als auch einen Supermarkt und ein Restaurant. Das eigene Grillgerät darf mitgenommen werden. Der Eintritt kostet.

  • Ankara – AOC

Dieser Platz ist lediglich 10km vom Stadtzentrum Ankaras entfernt. Entsprechend beliebt ist er an schönen Sommertagen. Die Infrastruktur ist ähnlich gut, wie an anderen Plätzen. Es stehen Tische, Grillgeräte, Wasser und Toiletten zur Verfügung – kurz um alles, das es braucht, damit der Ausflug ins Grüne gelingt.

  • Kızılcahamam Soguksu Milli Parki

Dieser Nationalpark liegt in einer Höhe von 1000 – 1700 Meter. Zahlreiche Thermalbäder laden zu einem Besuch. Bereits in der römischen Zeit wurden die Mineralquellen, die bis 45° erreichen, genutzt. Heute steht ein Badehaus und verschiedene Badebecken zur Verfügung. Im Park können zudem 160 verschiedene Vogelarten, darunter die vom Aussterben bedrohten Bartgeier, beobachtet werden. Neben Wanderwegen gibt es verschiedene Möglichkeiten für ein Picknick. Ein Ausflug von grossem landschaftlichen Reiz.

 Packen Sie die Kühlbox – Ideen für ein gelungenes Picknick

Fragt sich, was denn eingepackt werden könnte, um ein gelungenes Picknick veranstalten zu können.

Das ist in der Türkei ganz leicht! Überall gibt es tellergrosse Fladenbrote zu kaufen. Dazu etwas cremigen Hummus (Kichererbsen-Mus), marinierte Oliven, frittierte Falafel-Bällchen, Köfte (Hackfleisch-Bällchen), Zucchini-Küchlein, Joghurt-Sauce und etwas knackigen Salat. Zum Dessert gibt es frische Früchte, süsses Baklava (Gebäck aus Blätterteig mit gehackten Nüssen, getränkt mit Zuckerwasser) oder Kekse. Nicht fehlen darf Tee dazu.

Oder, man macht es den Einheimischen gleich und kauft sich ein schönes Stück Lammfleisch oder einen fangfrischen Fisch. Fast auf allen Plätzen stehen Grillroste und Brennholz zur Verfügung. Als Beilage empfehlen sich ebenfalls knuspriges Brot und etwas Salat oder auch gefüllte Weinblätter. So steht einem gemütlichen Nachmittag nichts im Wege!

Wer sich kulinarisch gerne etwas inspirieren lassen möchte: